Last Updated: Oct 8, 1998
Go to Libretto Homepage


Wagner

Tannhäuser - Act II

ERSTE SZENE - Die Sängerhalle auf der Wartburg

Elisabeth (tritt Freudig bewegt ein).
Dich, teure Halle, grüss'ich wieder,
froh grüss' ich dich, geliebter Raum!
In dir erwachen seine Lieder
und wecken mich aus düstrem Traum.
Da er aus dir geschieden,
wie öd' erschienst du mir!
Aus mir entfloh der Frieden,
die Freude zog aus dir.
Wie jetzt mein Busen hoch sich hebet,
so scheinst du jetzt mir stolz und hehr.
Der mich und dich so neu belebet,
nicht länger weilt er ferne mehr,
Sei mir gegrüsst! Sei mir gegrüsst!
Du teure Halle, sei mir gegrüsst!

ZWEITE SZENE

(Wolfram und Tannhäuser erscheinen.)

Wolfram.
Dort ist sie; nahe dich ihr ungestört!
(Er bleibt im Hintergrunde stehen.)

Tannhäuser.
O Fürstin!

Elisabeth.
Gott! Stehet auf! Lasst mich!
Nicht darf ich Euch hier sehn!
(Sie will sich entfernen.)

Tannhäuser.
Du darfst! O bleib und lass
zu deinen Füssen mich!

Elisabeth.
So stehet auf!
Nicht sollet hier Ihr knien, denn diese Halle
ist Euer Königreich. O, stehet auf!
Nehmt meinen Dank, dass Ihr zurückgekehrt!
Wo weiltet Ihr so lange?

Tannhäuser.
Fern von hier in weiten, weiten Landen.
Dichtes Vergessen hat zwischen Heut und
Gestern sich gesenkt.
All mein Erinnern ist mir schnell
geschwunden,
und nur des einen muss ich mich entsinnen,
dass ich nie mehr gehofft, Euch zu begrüssen,
noch je zu Euch mein Auge zu erheben.

Elisabeth.
Was war es dann, das Euch zurückgeführt?

Tannhäuser.
Ein Wunder war's,
ein unbegreiflich hohes Wunder!

Elisabeth
Ich preise dieses Wunder aus meines Herzens Tiefe!
Verzeiht, wenn ich nicht weiss, was ich beginne!
Im Traum bin ich und tör'ger als ein Kind,
machtlos der Macht der Wunder preisgegeben.
Fast kenn' ich mich nicht mehr. O, helfet mir,
dass ich das Rätsel meines Herzens löse!
Der Sänger klugen Weisen
lauscht' ich sonst wohl gern und viel;
ihr Singen und ihr Preisen
schien mir ein holdes Spiel.
Doch welch ein seltsam neues Leben
rief Euer Lied mir in die Brust!
Bald wollt'es mich wie Schmerz durchbeben,
bald drang's in mich wie jähe Lust.
Gefühle, die ich nie empfunden!
Verlangen, das ich nie gekannt!
Was sonst mir lieblich, war verschwunden
vor Wonnen, die noch nie genannt!
Und als Ihr nun von uns gegangen -
war Frieden mir und Lust dahin;
die Weisen, die die Sänger sangen,
erschienen matt mir, trüb ihr Sinn.
Im Traume fühlt' ich dumpfe Schmerzen,
mein Wachen ward trübsel'ger Wahn;
die Freude zog aus meinem Herzen -
Heinrich! Heinrich! Was tatet Ihr mir an?

Tannhäuser.
Den Gott der Liebe sollst du preisen,
er hat die Saiten mir berührt,
er sprach zu dir aus meinen Weisen,
zu dir hat er mich hergeführt!

Elisabeth
Gepriesen sei die Stunde,
gepriesen sei die Macht,
die mir so holde Kunde
von Eurer Näh' gebracht!
Von Wonneglanz umgeben
lacht mir der Sonne Schein;
erwacht zu neuem Leben,
nenn'ich die Freude mein!

Tannhäuser.
Gepriesen sei die Stunde,
gepriesen sei die Macht,
die mir so holde Kunde
aus deinem Mund gebracht!
Dem neu erkannten Leben
darf ich mich mutig weihn;
ich nenn' in freud'gem Beben
sein schönstes Wunder mein!

Wolfram.
So flieht für dieses Leben
mir jeder Hoffnung Schein!
(Tannhäuser entfernt sich mit Wolfram. Elisabeth blickt ihm nach.)

DRITTE SZENE

(Der Landgraf tritt auf.)

Landgraf .
Dich treff 'ich hier in dieser Halle, die
so lange du gemieden? Endlich denn
lockt dich ein Sängerfest, das wir bereiten?

Elisabeth.
Mein Oheim! O, mein güt'ger Vater!

Landgraf.
Drängt es dich,
dein Herz mir endlich zu erschliessen?

Elisabeth.
Sieh mir ins Auge! Sprechen kann ich nicht.

Landgraf
Noch bleibe denn unausgesprochen
dein süss Geheimnis kurze Frist;
der Zauber bleibe ungebrochen,
bis du der Lösung mächtig bist.
So sei's! Was der Gesang so Wunderbares
erweckt und angeregt, soll heute er
enthüllen und mit Vollendung krönen.
Die holde Kunst, sie werde jetzt zur Tat!
Schon nahen sich die Edlen meiner Lande,
die ich zum seltnen Fest hieher beschied;
zahlreicher nahen sie als je, da sie gehört,
das du des Festes Fürstin seist.

VIERTE SZENE

(Grafen, Ritter und Edelfrauen werden durch Edelknaben eingeführt.)

Chor.
Freudig begrüssen wir die edle Halle,
wo Kunst und Frieden immer nur verweil',
wo lange noch der frohe Ruf erschalle:
Thüringens Fürsten, Landgraf Hermann, Heil!
(Der Landgraf und Elisabeth nehmen unter einem Baldachin Ehrensitze ein. Die Sänger treten auf und verneigen sich feierlich gegen die Versammlung.)

Landgraf.
Gar viel und schön ward hier in dieser Halle
von euch, ihr lieben Sänger, schon gesungen;
in weisen Rätseln wie in heitren Liedern
erfreutet ihr gleichsinnig unser Herz.
Wenn unser Schwert in blutig ernsten Kämpfen
stritt für des deutschen Reiches Majestät,
wenn wir dem grimmen Welfen widerstanden
und dem verderbenvollen Zwiespalt wehrten:
so ward von euch nicht mindrer Preis errungen.
Der Anmut und der holden Sitte,
der Tugend und dem reinen Glauben
erstrittet ihr durch eure Kunst
gar hohen, herrlich schönen Sieg.
Bereitet heute uns denn auch ein Fest,
heut, wo der kühne Sänger uns zurück
gekehrt, den wir so ungern lang vermissten.
Was wieder ihn in unsre Nähe brachte,
ein wunderbar Geheimnis dünkt es mich.
Durch Liedes Kunst sollt ihr es uns enthüllen,
deshalb stell' ich die Frage jetzt an euch:
könnt ihr der Liebe Wesen mir ergründen?
Wer es vermag, wer sie am würdigsten
besingt, dem reich' Elisabeth den Preis,
er fordre ihn so hoch und kühn er wolle,
ich sorge, dass sie ihn gewähren solle.
Auf, liebe Sänger! Greifet in die Saiten!
Die Aufgab' ist gestellt, kämpft um den Preis
und nehmet all im voraus unsren Dank!

Ritter und Edelfrauen.
Heil! Heil! Thüringens Fürsten Heil!
Der holden Kunst Beschützer Heil!
(Vier Edelknaben sammeln in einem goldenen Becher von jedem Sänger seinen auf ein Blättchen geschriebenen Namen ein und reichen ihn Elisabeth, welche eines der Blättchen herauszieht.)

Vier Edelknaben.
Wolfram von Eschenbach, beginne!


Der Sängerkrieg

Wolfram.
Blick' ich umher in diesem edlen Kreise,
welch hoher Anblick macht mein Herz
erglühn!
So viel der Helden, tapfer, deutsch und weise,
ein stolzer Eichwald, herrlich, frisch und grün.
Und hold und tugendsam erblick' ich Frauen,
lieblicher Blüten düftereichsten Kranz.
Es wird der Blick wohl trunken mir vom Schauen,
mein Lied verstummt vor solcher Anmut Glanz.
Da blick' ich auf zu einem nur der Sterne,
der an dem Himmel, der mich blendet, steht:
es sammelt sich mein Geist aus jener Ferne,
andächtig sinkt die Seele in Gebet.
Und sieh! Mir zeiget sich ein Wunderbronnen,
in den mein Geist voll hohen Staunens blickt:
aus ihm er schöpfet gnadenreiche Wonnen,
durch die mein Herz er namenlos erquickt.
Und nimmer möcht' ich diesen Bronnen trüben,
berühren nicht den Quell mit frevlem Mut:
in Anbetung möcht' ich mich opfernd üben,
vergiessen froh mein letztes Herzensblut.
Ihr Edlen mögt in diesen Worten lesen,
wie ich erkenn' der Liebe reinstes Wesen!

Die Ritter und Frauen
So ist's! So ist's!
Gepriesen sei dein Lied!

Tannhäuser.
Auch ich darf mich so glücklich nennen
zu schaun, was, Wolfram, du geschaut!
Wer sollte nicht den Bronnen kennen?
Hör, seine Tugend preis' ich laut!
Doch ohne Sehnsucht heiss zu fühlen
ich seinem Quell nicht nahen kann.
Des Durstes Brennen muss ich kühlen,
getrost leg' ich die Lippen an.
In vollen Zügen trink' ich Wonnen,
in die kein Zagen je sich mischt:
denn unversiegbar ist der Bronnen,
wie mein Verlangen nie erlischt.
So, dass mein Sehnen ewig brenne,
lab' an dem Quell ich ewig mich:
und wisse, Wolfram, so erkenne
der Liebe wahrstes Wesen ich!
(Elisabeth will ihren Beifall zeigen; da aber alle in ernstem Schweigen verharren, hält sie sich schüchtern zurück.)

Walter von der Vogelweide.
Den Bronnen, den uns Wolfram nannte,
ihn schaut auch meines Geistes Licht;
doch, der in Durst für ihn entbrannte,
du, Heinrich, kennst ihn wahrlich nicht.
Lass dir denn sagen, lass dich lehren:
der Bronnen ist die Tugend wahr.
Du sollst in Inbrunst ihn verehren
und opfern seinem holden Klar.
Legst du an seinen Quell die Lippen,
zu kühlen frevle Leidenschaft,
ja, wolltest du am Rand nur nippen,
wich ewig ihm die Wunderkraft!
Willst du Erquickung aus dem Bronnen haben,
musst du dein Herz, nicht deinen Gaumen laben.

Die Zuhörer.
Heil Walter! Preis sei deinem Liede!

Tannhäuser.
O Walter, der du also sangest,
du hast die Liebe arg entstellt!
Wenn du in solchem Schmachten bangest,
versiegte wahrlich wohl die Welt.
Zu Gottes Preis in hoch erhabne Fernen,
blickt auf zum Himmel, blickt auf zu seinen Sternen!
Anbetung solchen Wundern zollt,
da ihr sie nicht begreifen sollt!
Doch was sich der Berührung beuget,
euch Herz und Sinnen nahe liegt,
was sich, aus gleichem Stoff erzeuget,
in weicher Formung an euch schmiegt -
dem ziemt Genuss in freud'gem Triebe,
und im Genuss nur kenn'ich Liebe!
(Grosse Aufregung unter den Zuhörern.)

Biterolf.
Heraus zum Kampfe mit uns allen!
Wer bliebe ruhig, hört er dich?
Wird deinem Hochmut es gefallen,
so höre, Lästrer, nun auch mich!
Wenn mich begeistert hohe Liebe,
stählt sie die Waffen mir mit Mut;
dass ewig ungeschmäht sie bliebe,
vergöss' ich stolz mein letztes Blut.
Für Frauenehr' und hohe Tugend
als Ritter kämpf' ich mit dem Schwert;
doch, was Genuss beut deiner Jugend,
ist wohlfeil, keines Streiches wert.

Ritter und Frauen.
Heil, Biterolf!

Die Ritter.
Hier unser Schwert!

Tannhäuser.
Ha, tör'ger Prahler Biterolf!
Singst du von Liebe, grimmer Wolf?
Gewisslich hast du nicht gemeint,
was mir geniessenswert erscheint.
Was hast du Aermster wohl genossen?
Dein Leben war nicht liebereich,
und was von Freuden dir entsprossen,
das galt wohl wahrlich keinen Streich!

Die Ritter.
Lasst ihn nicht enden! Wehret seiner Kühnheit!

Landgraf.
Zurück das Schwert! Ihr Sänger, haltet Frieden!

Wolfram.
O Himmel, lass dich jetzt erflehen,
gib meinem Lied der Weihe Preis!
Gebannt lass mich die Sünde sehen
aus diesem edlen, reinen Kreis!
Dir, hohe Liebe, töne
begeistert mein Gesang,
die mir in Engels Schöne
tief in die Seele drang!
Du nahst als Gottgesandte,
ich folg' aus holder Fern' -
so führst du in die Lande,
wo ewig strahlt dein Stern.

Tannhäuser.
Dir, Göttin der Liebe, soll mein Lied ertönen!
Gesungen laut sei jetzt dein Preis von mir!
Dein süsser Reiz ist Quelle alles Schönen,
und jedes holde Wunder stammt von dir.
Wer dich mit Glut in seine Arme geschlossen,
was Liebe ist, kennt er, nun er allein -
Armsel'ge, die ihr Liebe nie genossen,
zieht hin, zieht in den Berg der Venus ein.

Alle
Ha, der Verruchte! Fliehet ihn!
Hört es! Er war im Venusberg!

Die Edelfrauen.
Hinweg! Hinweg aus seiner Näh'!
(Sie entfernen sich. Nur Elisabeth bleibt bleich und angstvoll zurück.)

Wolfram.
Ihr habt's gehört!

Landgraf, Ritter und Sänger.
Ihr habt's gehört! Sein frevIer Mund
tat das Verbrechen schrecklich kund.
Er hat der Hölle Lust geteilt,
im Venusberg hat er geweilt!
Entsetzlich! Scheusslich! Fluchenswert!
In seinem Blute netzt das Schwert!
Zum Höllenpfuhl zurückgesandt
sei er gefehmt, sei er gebannt!
(Alle stürzen auf Tannhäuser ein.)

Elisabeth (wirft sich dazwischen).
Haltet ein!

Walter, Biterolf, Reinmar.
Was hör ich?

Landgraf, Ritter und Sänger.
Wie? Was sch' ich? Elisabeth!
Die keusche Jungfrau für den Sünder?

Elisabeth.
Zurück! Des Todes achte ich sonst nicht!
Was ist die Wunde eures Eisens gegen
den Todesstoss, den ich von ihm empfing?

Landgraf, Ritter und Sänger.
Elisabeth! Was muss ich hören?
Wie liess dein Herz sich so betören,
von dem die Strafe zu beschwören,
der auch so furchtbar dich verriet?

Elisabeth.
Was liegt an mir? Doch er - sein Heil!
Wollt ihr sein ewig Heil ihm rauben?

Landgraf, Ritter und Sänger.
Verworfen hat er jedes Hoffen,
niemals wird ihm des Heils Gewinn!
Des Himmels Fluch hat ihn getroffen;
in seinen Sünden fahr er hin!

Elisabeth.
Zurück von ihm! Nicht ihr seid seine Richter!
Grausame! Werft von euch das wilde Schwert
Und gebt Gehör der reinen Jungfrau Wort !
Vernehmt durch mich, was Gottes Wille ist!
Der Unglücksel'ge, den gefangen
ein furchtbar mächt'ger Zauber hält,
wie, sollt'er nie zum Heil gelangen
durch Sühn und Buss in dieser Welt?
Die ihr so stark im reinen Glauben,
verkennt ihr so des Höchsten Rat?
Wollt ihr des Sünders Hoffnung rauben,
so sagt, was euch er Leides tat?
Seht mich, die Jungfrau, deren Blüte
mit einem jähen Schlag er brach,
die ihn geliebt tief im Gemüte,
der jubelnd er das Herz zerstach!
Ich fleh' für ihn, ich flehe für sein Leben,
reuvoll zur Busse lenke er den Schritt!
Der Mut des Glaubens sei ihm neu gegeben,
dass auch für ihn einst der Erlöser litt!

Tannhäuser.
Weh! Weh! mir Unglücksel'gem!

Landgraf, Ritter und Sänger.
Ein Engel stieg aus lichtem Aether,
zu künden Gottes heil'gen Rat.
Blick hin, du schändlicher Verräter,
werd inne deiner Missetat!
Du gabst ihr Tod, sie bittet für dein Leben;
wer bliebe rauh, hört er des Engels Flehn?
Darf ich auch nicht dem Schuldigen vergeben
dem Himmelswort kann ich nicht widerstehn.

Tannhäuser.
Zum Heil den Sündigen zu führen,
die Gottgesandte nahte mir!
Doch, ach, sie frevelnd zu berühren,
hob ich den Lästerblick zu ihr!
O du, hoch über diesen Erdengründen,
die mir den Engel meines Heils gesandt,
erbarm dich mein, der ach! so tief in Sünden
schmachvoll des Himmels Mittlerin verkannt
Erbarm dich mein! Ach, erbarm dich mein!

Landgraf, Ritter und Sänger.
Darf ich auch nicht dem Schuldigen vergeben
dem Himmelswort kann ich nicht widerstehn.

Elisabeth.
Ich fleh' für ihn, ich flehe für sein Leben!
Der Mut des Glaubens sei ihm neu gegeben,
dass auch für ihn einst der Erlöser litt!

Landgraf.
Ein furchtbares Verbrechen ward begangen.
Es stahl mit heuchlerischer Larve sich
zu uns der Sünde fluchbeladner Sohn.
Wir stossen dich von uns - bei uns darfst du
nicht weilen; schmachbefleckt ist unser Herd
durch dich, und dräuend blickt der Himmel selbst
auf dieses Dach, das dich zu lang schon birgt.
Zur Rettung doch vor ewigem Verderben
steht offen dir ein Weg: von mir dich stossend,
zeig' ich ihn dir. Nütz ihn zu deinem Heil!
Versammelt sind aus meinen Landen
bussfert'ge Pilger, stark an Zahl.
Die ältren schon voran sich wandten,
die jüngren rasten noch im Tal.
Nur um geringer Sünde willen
ihr Herz nicht Ruhe ihnen lässt,
der Busse frommen Drang zu stillen,
ziehn sie nach Rom zum Gnadenfest.

Landgraf, Ritter und Sänger.
Mit ihnen sollst du wallen
zur Stadt der Gnadenhuld,
im Staub dort niederfallen
und büssen deine Schuld!
Vor ihm stürz dich darnieder,
der Gottes Urteil spricht;
doch kehre nimmer wieder,
ward dir sein Segen nicht!
Musst' unsrer Rache weichen,
weil sie ein Engel brach,
dies Schwert wird dich erreichen,
harrst du in Sünd' und Schmach!

Elisabeth.
Lass hin zu dir ihn wallen,
du Gott der Gnad'und Huld!
Ihm, der so tief gefallen,
vergib der Sünden Schuld!
Für ihn nur will ich flehen,
mein Leben sei Gebet;
lass ihn dein Leuchten sehen,
eh' er in Nacht vergeht!
Mit freudigem Erbeben
lass dir ein Opfer weihn!
Nimm hin, o nimm mein Leben:
nicht nenn' ich es mehr mein!

Tannhäuser.
Wie soll ich Gnade finden,
wie büssen meine Schuld?
Mein Heil sah ich entschwinden,
mich flieht des Himmels Huld.
Doch will ich büssend wallen,
zerschlagen meine Brust,
im Staube niederfallen -
Zerknirschung sei mir Lust.
O, dass nur er versöhnet,
der Engel meiner Not,
der sich, so frech verhöhnet,
zum Opfer doch mir bot!

Jüngere Pilger (aus dem Tale).
Zu dir wall'ich, mein Jesus Christ,
der du des Pilgers Hoffnung bist!
Gelobt sei, Jungfrau süss und rein,
der Wallfahrt wolle günstig sein!

Tannhäuser (eilt ab).
Nach Rom!

Elisabeth, Landgraf, Ritter und Sänger. (ihm nachrufend)
Nach Rom!


Originally input by Mike Richter, <mrichter@mindspring.com> with thanks to George J. Lindner for proofing.