Last updated: Oct. 1, 1997
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Die Gärtnerin aus Liebe K.196

(German version of La finta giardiniera K.196 - without dialogue)

Dramma giocoso in drei Akten

Music: Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto: Johann Franz Joseph Stierle d. Ä.?, after the original by Giuseppe Petrosellini
Première: May 1st? 1780, Augsburg

First cast:

Podestà Don Anchise, mayor of Lagonero..........M. Fiorini? or M. Rossi?........tenor
Marchesa Violente Onesti, disguised as Sandrina...........Rosa Manservisi?........soprano
Contino Belfiore.......................Johann Baptist Walleshauser...................tenor
Arminda, gentlewoman of Milan........?...............soprano
Cavalier Ramiro, in love with Armida............Tommaso Consoli?.........soprano (castrato)
Serpetta maid of the Podestà, in love with him.....Teresa Mansevirsi?........soprano
Roberto, disguised as the gardener Nardo, in love with Serpetta....Giovanni Rossi or J. Matthias Souter...bass
Libretto:

ERSTER AKT
Lieblicher Garten mit einer breiten Treppe vor dem Palast des Podestà.

SZENE 1
Der Podestà, Ramiro und Serpetta, Sandrina und Nardo, Gärtner und
Gärnterin

N.1 Introduktion

CHOR
Welches vergnügen, welch frohe Tage,
welch shöne Gegend, welch frohe Tage,
Wonne und Liebe verbreiten sich hier!

RAMIRO
Verbog'nes Leiden macht mich verzagen,
mein Herz empfindet stets neue Plagen,
Freud' und Zufriedenheit fliehen von mir.

DER PODESTÀ
Das schönsten Mädchen sich zu gewinnen,
liebliche Lieder ihr zu ersinnen,
nur für Sandrinen mein Herz ist bewahrt.

SANDRINA
Ach, welche Schwermut drückt meine Seele,
daß ich mit Sorgen mein Herz nur quäle,
Verfolgt das Schiksal wohl jemand so hart?

NARDO
(aus Serpetta deutend)
Sie widerstrebt, mich nur anzusehen.
Auf Weibertreue ist nicht zu gehen,
das ist ja männiglich gar wohl bekannt.

SERPETTA
In diese Buhlerin ist er vernarret,
steht unbeweglich da und fast erstarret.
(auf den Podestà deutend)
Sollt' er betrügen mich, quäl ich ihn tot.

RAMIRO
Mein bittres Leiden muß ich verhehlen.

DER PODESTÀ
Gutes Sandrinchen, nichts soll dich quälen.

SANDRINA
So viel Holdseligkeit bin ich nicht wert.

RAMIRO
Wird sich wohl enden mein herbes Leiden?

DER PODESTÀ
Von dieser Schönheit kann ich nicht scheiden.

SERPETTA
Der Männer Falschheit ist ganz unerhört.

CHOR
Welches vergnügen, welch frohe Tage,
welch shöne Gegend, welch frohe Tage,
Wonne und Liebe verbreiten sich hier!

N.2 Arie

RAMIRO
Scheu ist das freie Vöglein,
wenn es dem Netz entschlüpfet,
flattert und singt und hüpfet
zum zweitenmal hinein.

O, was das Netz dem Vogel,
bist du dem Herzen, Liebe!
Bald scheu'n wir deine Triebe,
bald sind wir wieder dein!
(ab)

SZENE 2

N.3 Arie

DER PODESTÀ
Zu meinem Ohr erschallet
das liebliche Ertönen
der Flöte und Oboe
daß Lust mich ganz durchwallet.
durchbebt von süßen Weh!

Doch wie, was muß ich hören,
welch schwarze Harmonie,
die mich erzittern macht!
Es sind ja nur die Brastchen
mit düst'rer Melodie,
die mich in Angst gebracht.
Nun kommt ein großes Lärmen
von Pauken und Trompeten,
von Bässen und Fagotten,
das mich fast närrisch macht..
(ab)

SZENE 3

N.4 Kavatine

SANDRINA
Wir Mädchen sind sehr übel dran
und haben wenig Freuden.
Die Männer tun uns heutzutag
Gewalt und Unrecht an,
wenn sie gleich mit Gefühlen
von Lieb' und Ehre spielen,
uns heute Treu versprechen
und morgen wieder brechen.
Und was hat es zu sagen,
wer nennt es ein Vergeh'n?
Wenn mit Gefühlen
gleich Männer spielen,
was hat es denn zu sagen?
wer nennt das ein Vergeh'n?

Allein wenn wir zuweilen
nun gleiche Münz austeilen,
so tönen laute Klagen,
so ist's um uns gescheh'n!
Ach, wie übel sind wir dran!
Wir armen guten Mädchen,
wir haben wenig Freuden,
denn nichts als Unrecht,
nichts als Gewalt
tun heutzutag die Männer uns nur an!
(ab)

SZENE 5

N.5 Arie

NARDO
Der Hammer zwingt das Eisen,
erweicht durch Feuerhitze,
der Marmor läßt sich formen
durch scharfe Meißelspitze!
Doch wer kann mir erweisen,
daß Hammer oder Eisen,
daß selbst das Liebesfeuer
hab' jemals überwunden
der Weiber Eigensinn?

Sind wir nicht alle Narren,
recht blinde, dumme Narren,
betrogen durch die Weiberlist?
Verachtet sie, verspottet sie,
verlachet sie und fliehet sie,
sie sind kein' Teufel wert.
(ab)

SZENE 6

N.6 Arie

DER GRAF
Welch ein Reiz in diesem Bilde,
welch ein Blick voll Glut und Milde!
So strahlt nimmer die Morgensonne.
Ach, noch immer voll von Wonne,
trau ich meinen Augen kaum.

N.7 Arie

ARMINDA
Wenn die Männer sich verlieben,
schwören sie sehr leicht die Treu,
und durch schmeichelndes Entzücken
läßt ein Mädchen sich berücken,
glaubt geschwind, daß es so sei.
Sie glaubt es,
doch bei mir geht es nicht so.
Vor muß alles richtig stehen,
eh' ich sag ja oder nein.
Sie allein nur sind mein Leben,
Ihnen will ich mich ergeben.
Wenn Sie aber mich belügen,
nach der Mode mich betrügen,
räch' ich mich mit eig'ner Hand.
(ab)

SZENE 7

N.8 Arie

DER GRAF
Hier vom Osten bis zum Westen,
dort vom Süden bis zum Norden
ist schon längst bekannt geworden
unser hochberühmtes Haus.
Ich hab Güter, Lehensträger,
Städte, Döfter, große Schwäger.
Fürsten, Grafen, Generalen,
Kaiser, König, Admiralen,
Diktatoren, Bürgermeister,
Helden Roms und große Geister
zählt mein Stammbaum ohne Zahl!
Doch zum Teufel! Warum lacht ihr?
Welche Zweifel? Wollt ihr sie sehen?
Hier ist Numa, dort ist Scipio,
Marc Aurel und Marc Agrippa,
Mutio Scaevola und der Cato.
Auch der große Alexander
ist mein nächster Anverwandter.
Mit der größten Ehrfurcht bücket euch,
nur geschwind bald hin, bald her.
(Der Graf und der Podestà gehen ab)

SZENE 8

N.9a Kavatine

SERPETTA
Das Vergnügen in dem Eh'stand
möcht' ich gerne bald erfahren,
doch ein Mann, der schon bei Jahren,
taugt in Wahrheit nicht für mich.

N.9b Kavatine

NARDO
Das Vergnügen in dem Eh'stand
wünschest du bald zu erfahren,
doch ein Mann noch jung von Jahren
taugt in Wahrheit nicht für dich.

N.10 Arie

SERPETTA
Sobald sie mich sehen,
so sind sie gefangen.
Sie rennen und laufen,
mein Herz zu erlangen.
Von Liebe berücket,
der stets um sich blicket
und ruft immer da,
und ein anderer dort:
Bewundert die Augen
des englischen Kindes;
wie artig, wie lebhaft,
ihr Anstand und Farbe,
mich rühret die Schöne,
wenn ich sie betracht'.
Ich schlage die Augen ganz züchtig darnieder,
und schweige zu allem, im Stillen bedacht.
(Serpetta und Nardo gehen ab)

SZENE 9

N.11 Arie

SANDRINA
Ferne von ihrem Neste,
irrend auf fremden Heiden,
sehnt sich nach Ruh' und Freuden
die sanfte Turteltaube,
girret und klagt ihr Leid.

SZENE 10

N.12 Finale
Der Graf und Sandrina

DER GRAF
(nähert sich Sandrina)
Himmel, bin ich von Sinnen?
Violante! sie lebt noch? o Schmerz!
Ängstlich bebt mein Herz!
Ach, neue Pein und Schmerz!

SANDRINA
(In der Ohnmacht bewegt sie sich, fällt dann wieder in die Ohmacht
zurück)
Ach, Undankbarer, sehe mich
aus Liebe sterben.

DER GRAF
Die Stimme Violantes
und auch Violantes Züge!
Doch was soll diese Kleidung?
Ich könnte mich noch irren,
ich muß sie näher sehn.

SANDRINA
(kommt wieder zu sich)
Ach, daß über mich Arme
der Himmel sich erbarme!

DER GRAF
Ja, ja, sie ist es,
sie ist es wirklich!
Mir schwindet aller Mut.

SANDRINA
(bemerkt den Grafen)
Was seh' ich? Der Graf? O Himmel!

SZENE 11
Arminda, Ramiro und Vorige

ARMINDA
(kommt mit einem Riechfläschen)
Nehmet hier Balsam sulfuris.

RAMIRO
Herr Graf, mit Ihrer Erlaubnis...

ARMINDA
Ramiro!

RAMIRO
Arminda!

ARMINDA, RAMIRO
(Was werd' ich tun?)

DER GRAF
(heimlich zu Sandrina)
Sag mir, wer bist du?

SANDRINA
(Was sag ich?)

RAMIRO
(zu Arminda)
Grausame!

ARMINDA
(Was zu tun?)

SANDRINA, ARMINDA, RAMIRO, DER GRAF
O unerhörtes Schiksal!
Dieser verdammte Zufall
quälet mich fast zu Tod!

DER GRAF
(Voller Zweifel steh' ich schwankend,
weiß nicht, ob ich wachend träume.
All mein Denken ist verwirrt.)

SANDRINA
(Ich empfind' in meinem Herzen
unermeßlich, bitt're Schmerzen,
die mich weinen, seufzen machen.)

RAMIRO
(Meine Sinne sind betöret,
von dem Zufall ganz zerstöret.
Ich verliere den Verstand!)

ARMINDA
(Ich weiß nicht, was hier geschehen,
meine Sinne mir vergehen,
zitternd, bebend steh' ich da.)

SANDRINA, ARMINDA, RAMIRO, DER GRAF
(Meine Ruhe ist ganz verschwunden,
mir stockt jedes Wort im Mund.)

SZENE 12
Der Podestà und Vorige

DER PODESTÀ
Welche Stille, welche Mienen!
Macht ihr etwa hier Kalender?
(zu Sandrina)
hast du deine Sprach' verloren?
Ist der Mund dir zugefronen?
(zu allen)
Nun, so sprecht, was geht hier vor?

SANDRINA
(Kann ich's sagen?)

DER GRAF
(Kann ich's wagen?)

RAMIRO
(Welche Frage!)

ARMINDA
(Ich verzage!)

DER PODESTÀ
Alles ist mir unbegreiflich!
Hier ist etwas vorgegangen,
mit der Sprache nur heraus!

RAMIRO, DER GRAF
(jeweils zu Arminda bzw. Sandrina)
Bist du diese?

SANDRINA, ARMINDA
(jeweils zum Grafen bzw. Ramiro)
Bist du jener?

SANDRINA, ARMINDA, RAMIRO, DER PODESTÀ, DER GRAF
Mein Verstand ist ganz verwirret,
ängstlich pochet mir das Herz!
(Alle außer dem Podestà ab)

SZENE 13
Der Podestà, dann Serpetta und Nardo

DER PODESTÀ
Wo ist die die Ehrfurcht, die mir gebühret?
Mich, den Hochweisen, der alles regieret,
läßt man hier stehen wie einen Narr'n!
Gehet zum Teufel, macht mir nicht bange.
Ich will nichts wissen von eurem Range,
von Despotismus und Adelstand!
(wird im Abgehen von Serpetta aufgehalten)

SERPETTA
Lustig, ich bringe Euch hübsche Nachricht:
Das Gärtnermädchen mit ihrem Grafen
küssen und kossen, unten im Garten,
mit aller Freiheit, ruhig und still.

DER PODESTÀ
Teufel und Hölle! Das sollt' ich leiden!
(will abgehen, wird jedoch von Nardo aufgehalten)

NARDO
Glaubt nicht an die Lügen des losen Mädchens,
sie will euch schicken in den April!

SERPETTA
Hier diese Augen, hier diese Ohren
muß es sehen, konnten es hören!

NARDO
Schreckliche Lügen, sie zu betören.

DER PODESTÀ
Gleich überzeuget mich!

SERPETTA
Kommt nur mit mir!

DER PODESTÀ
Gleich überzeuget mich!

NARDO
Kommt nur mit mir!

SERPETTA
Mit mir!

NARDO
Mit mir!

SERPETTA
Er kann nur lügen!

NARDO
Und sie betrügen!

DER PODESTÀ
Quäle mich tot, widriges Schiksal!
Sehet verspottet und hintergangen
jenen berühmten Mann, den Podestà!

SERPETTA, DER PODESTÀ, NARDO
Wir wollen gehen und nun gleich sehen.
Die Wahrheit zeiget sich dort oder da.

SZENE 14
Sandrina und der Graf, denn der Podestà.
Serpetta und Nardo auf der einen Seite in beobachtender Haltung, Arminda
und Ramiro auf der anderen Seite.

SANDRINA
(zum Grafen)
Was ist denn Ihr verlangen?
Ich bin genug gequälet!
Sie haben schon gewählet
Armindas schöne Hand.

DER GRAF
(zu Sandrina)
Laß dich erbitten, rede,
so sag' das eine Wort mir!
Sag', bist du Violante,
der ganz mein Herz gehöret?

SERPETTA
(zum Podestà, indem sie auf Sandrina und den Grafen zeigt)
Sie seh'n, mit welcher Zärtlichkeit
Die Heuchlerin ihm schmeichelt.

DER PODESTÀ
Ich seh' es! daß sie erblasse!
Ich räche mich an ihr.

NARDO
(Der Graf! ach welch ein Zufall!
Wie helf' ich ihr heraus?)

SANDRINA
(zum Grafen)
Sie sind in großer Irrung!

DER GRAF
(Himmel, welch eine Verwirrung!)

ARMINDA
(zu Ramiro)
Ihr' Hinterlist und Meineid
hat Ihren Stand entehrt!

RAMIRO
(zu Arminda)
Das Herz, das Sie belebet,
nur schwarze Falschheit nährt.

SANDRINA
(entschlossen zum Grafen)
Grausamer! ohne Schonen
kann man so schlecht belohnen
mein zärtlich treues Herz?
Nenne mir mein Verbrechen,
dann magst deich an mir rächen,
Fühlloser ohne Ehre!

DER GRAF
Alles ich längst bereute!
Teure, ach verzeihe!
Himmlische Violante!

SANDRINA
Himmlische Violante!
Nun aber ist Violante,
das arme Kind dahin!
O Himmel! Sie ist tot!

(Der Graf kniet vor Sandrina nieder; in dieser Haltung wird er von den
anderen überrascht.)

DER PODESTÀ
Gebt mir Antwort!

ARMINDA
Sprecht nur wieter!

RAMIRO
Graf, hübsch munter!

SERPETTA
Nicht gezittert!

NARDO
(Wo will alles die hinaus?)

SANDRINA
(Alles muß ich schweigend dulden!)

DER GRAF
(Ach, sie büßet mein Verschulden.)

SERPETTA, ARMINDA, RAMIRO, DER PODESTÀ, NARDO
Alles schweigen, was geschieht?

ARMINDA
(ironisch zum Grafen)
Graf, die Lieb' wird sie verzehren!

DER PODESTÀ
(ironisch zu Sandrina)
Solche Einfalt muß man ehren!

RAMIRO
(ironisch zu Arminda)
Ich erfreue mich mit Ihnen!

SERPETTA
(ironisch zu Sandrina)
Welche unschuldsvolle Mienen!

SERPETTA, ARMINDA, DER PODESTÀ
Lebt vergnügt, verliebte Seelen!

SERPETTA, RAMIRO, NARDO
Niemals soll ein Geist eich quälen.

ARMINDA, SERPETTA, RAMIRO, DER PODESTÀ, NARDO
Steigt herab, ihr Liebesflammen,
und verbrennt zu Staub ihr Herz!

SANDRINA, DER GRAF, DER PODESTÀ, NARDO
Über mich schlägt hier zusammen
alles Unglück und aller Schmerz.

ARMINDA
(zornig zum Grafen)
Unmensch, Verbrecher, Verräter!
Könnt ich dein Herz in Stücke zerreißen!

RAMIRO
Den großen Eifer und ihre Hitze
begreif' ich nicht.

DER PODESTÀ
(wütend zu Sandrina)
Kannst meine Güte so wenig schätzen?

SERPETTA
(auf Sandrina deutend)
Könnt' ich sie aus dem Haus mit Hunden hetzen!

NARDO
Bei diesen Handel die Frag' mir gebricht.

SANDRINA
Ach, welches Herzenleid! Ach, welches Unglück!
Was kann ich sagen? niedergeschlagen
von solchen Herzenleid und solchen Schmerz!

DER GRAF
Welch set'nes Abenteuer! Welche Szene!
Ich lieb' die Eine, lieb' auch die And're...
Doch ich kann einer nur schenken mein Herz.

SANDRINA, SERPETTA, ARMINDA, RAMIRO, DER GRAF, DER PODESTÀ, NARDO
Welche Verwirrung
ohn' alle Rettung!
Der Zorn zernaget mit das Herz im Busen.
Nichts dämpfet diese Glut,
nichts hemmt die Wut!

ZWEITER AKT
Halle im Palast des Podestà

SZENE 1
Arminda allein

N.13 Arie

ARMINDA
Um deine Straf' zu fühlen,
riss' ich, die Wut zu kühlen,
dir Bös'wicht mit Entzücken
dein falsches Herz in Stücken,
liebt' ich dich nicht so sehr.

Lohnest du so die Liebe
und meines Herzens Triebe?
Ach, ich kann nicht entscheiden,
ob Rach' ob Liebe siegt!
(ab)

SZENE 2
Nardo und Serpetta

N.14 Arie

NARDO
Nach der welschen Art und Weise
spricht man so: "Ah, quel visetto
m'ha infiammato il core in petto
che languire ognor mi fa!"

(Serpetta gibt ihm zu verstehen, daß ihr seine Gezierheit nicht
gefällt.)

Bist du nicht zufrieden?
Nun so hör' ein Kompliment
auf gut französich!
"Ah Madame, votre serviteur,
ah Madame, de tout mon coeur."

(Serpetta wie oben.)

Und auch dies gefällt dir nicht?
Nun laßt uns auf englisch seh'n.
"Ah my life, pray you, say yes!"

(Serpetta wie oben.)

Das ist ja zum Teufelholen!
Ich muß die Geduld verlieren.
Weder englisch, noch französich,
weder deutsch, noch italienisch,
gar nichts, gar nichts steht ihr an.
O das eigensinn'de Mädchen,
gar nichts ist ihr recht getan!
(Nardo und Serpetta gehen ab)

SZENE 3
Sandrina und der Graf, später der Podestà

N.15 Arie

DER GRAF
Laß mich ins Auge,
ins Auge dir schauen!
Ach wende den Blick mir zu.
Ach laß in ihm mich lesen,
daß du mir ganz vergeben.

(Sandrina will gehen)

Bleibe, sei nicht so grausam.
Wie hart ist dein Gebot!

(Sandrina fordert ihn auf, fortzugehen)

Ich gehe, vergiß dein Zürnen.
Wie hart ist dein Gebot!
Doch eh' ich mich erferne,
laß mich das Glück genießen,
die schöne Hand zu küssen,
dann geh' ich gern in den Tod!
Ach, welche Lust empfinde ich!
O schöne Hand, ich küsse dich!
Der Venus wahres Ebenbild.

(Der Podestà ist unbemerkt aufgetreten. Als der Graf die Hand Sandrinas
nehmen will, ergreift er die des Podestà)

Mein Herr, mich freut, Sie hier zu sehen.
Befinden Sie sich wohl?
(So muß mir diese Streich gescheh'n!
Daß ihn der Teufel hol!)
(ab)

SZENE 4
Der Podestà und Sandrina

N.16 Arie

SANDRINA
Es ertönt und spricht ganz leise
hier im Herzen eine Stimme:
Dein Gebieter, wirst du finden,
ist ganz Großmut, Lieb' und Huld!
Scheint auch schon sein Blick voll Grimme,
o so hegt er doch Beweise
sanften Mitleids und Geduld.

Ach, er flieht mich, will nicht hören,
läßt mich seinen Zorn empfinden.
Angst und Kummer mich verzehren,
und bald werd' ich nicht mehr sein!

Holde Mädchen, habt Erbarmen,
und wenn euch mein Unglück rühret
und ihr reges Mitleid spüret,
so gewähret doch mir Armen
euren Trost, mich zu erfreu'n!
(ab)

SZENE 5
Der Podestà, dann Ramiro

N.17 Arie

DER PODESTÀ
Wie? Was? ein Fräulein? und meine Nichte?
Reich, schön von Angesicht! von hohem Stande!
Wie? diese sollt' ich nun traurig sehen?
Nein, diese Heirat kommt gar nicht zustande
und aller Ehvertrag ist null und nichtig.
Ja, ja, so muß es sein, nun dann, es sei!
Man würd' mich tadeln im ganzen Lande.

Für einen Amtmann wär's ewig Schande.
Deutschlands und Spaniens und Frankreichs Dichter,
mich, einen Edelmann, mich, einen Richter,
würden sie schelten in der Geschicht'!
Spart eure Worte! alles ist richtig.
Ja, ja, so muß es sein, es bleibt dabei!
(ab)

SZENE 6
Ramiro allein

N.18 Arie

RAMIRO
Ach, schmeichelhafte Hoffnung,
Gefährtin treuer Liebe,
du stärkest miene Triebe
und tröstest mich allein.

Dir bin ich ganz ergeben,
dir danke ich mein Leben,
nur du kannst die Belohnung
jetzt meiner Treue sein.
(ab)

SZENE 7
Der Podestà, Arminda und der Graf, später Sandrina

SZENE 8
Der Graf allein

N.19 Rezitativ und Arie

DER GRAF
Verweil doch und hör' mich!
Sie geht und stößt mich von sich.
Nun, sie gehe!
Doch sachte! Was ist mir?
Die Erde wanket!
Ein schwarzer Nebel
umdunkelt schon meine Blicke!
Ist's Sturm? sind's Schatten?
Die Nacht kommt, wie schaurig!
Arminda! Violante!
Wollt ihr denn meinen Tod?
Nur zu, meine Schönen!
Ich erleide ihn gern!
Jedoch, ihr weinet?
Wozu denn diese Tränen?
Ich sterbe gern!
Hört den Donner, seht die Blitze!
Ihr schleudert sie suf mich herab!
O wie dank ich die, gütiger Himmel!
O hilf, von dir nur erwarte ich Rettung.
Freunde, Geliebte! beweint mich!
Lebt wohl für immer!

Schon erstarren meine Glieder,
und der Schmerz drückt mich darnieder!
Kaum mehr fühl ich, daß ich lebe,
daß ich zitt're! O welches Bange!
Von der Strine auf die Wangen
rinnet der kalte Schweiß herab.
Aber nein, ich darf noch leben,
schau empor und fasse Mut.
Und die Augen! O ja, ich sehe!
Und auch hör' ich, in der Nähe,
holden Zephyrus sanftes Wehen!
Ist dort etwa Endes Garten?
Darf ich? Nein, ich muß noch warten!
Aber stille! stille! stille!
Die Winde brausen!
Die Bäche sausen!
Leise kosend durch die Blätter
will die Sonne mir verkünden:
Komm, es naht ein neuer Tag.
Welche Freude! welch Entzücken!
Ich kann mich regen und bewegen,
tanzen, singen, hüpfen, springen.
Mit frohem Herzen kann ich nun scherzen.
Welch eine Freude! Vergnügter Tag!
(ab)

SZENE 9
Serpetta und der Podestà

N.20 Arie

SERPETTA
Wer will die Welt genießen,
der schweig' zu allem still!
Er laß sich nichts vedrießen,
es komme, wie es will!
Die Mädchen sollten redlich sein
und laut're Herzen haben,
so aufrichtig sein wie ehrlich, ja ehrlich sein.
Doch nützen diese Gaben
bei Männern nun nicht mehr!

Jetzt muß man sein verschlagen,
gleichgültig alles tragen,
sich dumm und sittsam stellen,
die Narren wacker prellen,
sie foppen hin und her!
Von allen diesen Pflichten
muß man sich unterrichten
und nützen jede Lehr!
(ab)

SZENE 10
Verlassener Ort in bergiger Gegend

Sandrina ängstlich und zitternd; man sieht verschiedene Gestalten
eilends fliehen.

N.21 Arie

SANDRINA
Ach haltet, Barbaren,
ach haltet, o Gott!
ach haltet, o Himmel!
ach haltet, Barbaren!
Wie könnt ihr mich verlassen?
Ach! reichet Hilf' mir Armen!
Wie wird es mir ergeh'n?
Ach Himmel! Ach Erbarmen!

Es ist um mich gescheh'n.
Nur der Tod ist mein Hoffen!
Himmel, soll ich erliegen
meinem schrecklichen Schiksal?
Grausam verlassen
von dem innig Geliebten,
von ihm verhöhnet!
Ach, was soll ich beginnen?
Dem Schmerz muß ich erliegen!
Zu groß sind meine Leiden!
Wohin soll ich mich wenden,
um Hilfe zu erspähhen
an diesem Schreckensorte!
Es ist vergebens!
Mein Hoffen ist dahin!
Ich bin verloren!

N.22 Kavatine

SANDRINA
Ach! vor Tränen, Schluchzen, Seufzen
kann ich kaum mehr Atem fassen!
Sprach' und Stimme mich verlassen
und es schwindet alle Kraft.

Rezitativ

Schenke, gütige Vorsicht, mir dein Erbarmen!
Lind're die bitt're Schmerzen!
Lasse mich nicht verzagen!
Ha, wer nahet sich?

Soll ich entfliehen oder bleiben?
Verzweiflungsvolle Lage!
Wer mag kommen?
O Gott, mir fehlen Kräfte, um zu fliehen!
Wohin bergen? O Himmel!
Ha, da erblick ich die Höhle!
Dies sei der Schutzort dieser traurigen Stunde!
Da hinein will gehen.
Und du, güt'ge Gottheit!
ach, schütze mein Leben.
(Sie sucht schutz in einer Höhle)

SZENE 11
Der Graf und Nardo; die Vorige, dann Arminda, darauf der Podestà und
Serpettam schließich Ramiro

N.23 Finale

DER GRAF
Hier in diesen Finsternissen,
in den Felsen, ach, ich bitte,
Nardo, leite meine Schritte,
denn ich weißicht aus noch ein.

NARDO
O wie schrecklich ist die Wildnis!
Nun so laßt uns sachte gehen.
Hier ist wohl der Ort zu sehen,
wo man sie noch finden kann.

SANDRINA
In der Näh' dünkt mich zu hören
ein Geräusch, das mich erschrecket,
das mir Furcht und Angst erwecket,
Himmel, ach, erhör mein Fleh'n!

ARMINDA
Hier in diesen finstern Wald
ist gewiß mein Graf gekommen,
von Verzweiflung eingenommen,
seiner Gattin nachzugeh'n.

DER GRAF
Ein Geräusch hab ich vernommen.

SANDRINA
Nein, ich will von hier nicht weichen!

NARDO
Ich will näher hin mich schleichen.

ARMINDA
Mich dünkt, hier etwas zu hören.

SANDRINA, ARMINDA, DER GRAF, NARDO
Laßt uns seh'n, was hier geschieht.

DER PODESTÀ
Hier in diesen Finsternissen
muß ich Schritt vor Schritte gehen
und die Straßen nicht versehen,
sonst brech' ich mir Hals und Bein!

SERPETTA
Heimlich hab' ich mich beflissen,
in der Stille her zu schleichen,
meine Absicht zu erreichen
und auf meiner Hut zu sein.

DER GRAF
Wer ist da?

SANDRINA
O welch ein Unglück!

DER PODESTÀ
Geht hier jemand?

SERPETTA
O selt'ner Zufall!

NARDO
Geht nicht weiter!

ARMINDA
O welcher Schrecken!

SANDRINA, SERPETTA, ARMINDA, DER GRAF, DER PODESTÀ, NARDO
Welch Getöse, welches Lärmen,
wär' ich doch nur weit von hier!

DER PODESTÀ
(zu Arminda, die er für Sandrina hält)
Bist du's, mein lieb' Sandrinchen?

ARMINDA
(zum Podestà, den sie für den Grafen hält)
Ja, die bin ich!
(Das ist der Graf.)

DER GRAF
(zu Serpetta, die er für Sandrina hält)
Meine reizende Sandrina!

SERPETTA
(zum Grafen, den sie für den Podestà hält)
Ja, die bin ich!
(Das ist der Amtmann!)

NARDO
(zu Sandrina)
Sind Sie nicht die gnäd'ge Gräfin?

SANDRINA
Dies ist Nardo, ich bin ruhig!

SANDRINA, SERPETTA, ARMINDA, DER PODESTÀ, DER GRAF, NARDO
Welche Freude, welch' Entzücken,
was ich suchte, ist nun mein!

RAMIRO
(aus dem Hintergrund)
Nun, ihr Freunde! bleibt hier stehen,
doch laß von euch sich keiner sehen,
bis es endlich Zeit wird sein.

DER PODESTÀ
Kommen Leute?

ARMINDA
Wie? was hör' ich?

DER GRAF
Sag, wer bist du?

SERPETTA
Wer verbirgt mich?

NARDO
Geh zurücke!

SANDRINA
Ich bin verloren!

RAMIRO
(tritt auf, zu Arminda)
Nun wird alles aufgeklärt!

DER PODESTÀ
Laßt uns gehen!

ARMINDA
Ich bin's zufrieden!

DER GRAF
(zu Serpetta)
Geh'n wir noch weiter?

SERPETTA
Es ist das beste.

NARDO
Was tun wir?

SANDRINA
Weh mir, ich zitt're!

SANDRINA, SERPETTA, ARMINDA, DER PODESTÀ, DER GRAF, NARDO
Ach, ich möcht' vor Angst vergeh'n,
länger ist's nicht auszusteh'n!

RAMIRO
(wieder im Hintergrund)
Holla, Freunde, laßt euch sehen,
kommt geschwind und hurtig her!
Ich erfreu' mich des Vergnügens,
so das Glück hat euch beschert.

(Alle sind erstaunt und betrachten sich verwundert)

DER GRAF
Du, Serpetta?

SERPETTA
Sie, der Graf?

DER PODESTÀ
Meine Nichte?

ARMINDA
Der Podestà?

SANDRINA, SERPETTA, ARMINDA, DER PODESTÀ, DER GRAF, NARDO
O verwünschtes Überraschen,
alle steh'n wir hier beschämt!

ARMINDA
(zum Podestà)
Hier ist ein Irrtum,
dort ist die Schöne.

SANDRINA
(zu Nardo)
Ach, wie Sie scherzen,
ich bin nicht jene.

SERPETTA
(zum Grafen)
Ha, wie Sie irren,
dort ist die Närrin.

DER PODESTÀ, DER GRAF, NARDO
Da sind wir alle schön angelaufen,
was ist zu machen, 's ist einmel so.

ARMINDA
(zum Grafen)
Falscher Verräter, du mich betrügen?
Giftige Rache sollst du fühlen!

DER PODESTÀ
(zu Sandrina)
Warte, Nichtswürd'ge, ich will dich strafen!
Ja, du sollst meinen Zorn empfinden!

SANDRINA
O weh! ich wanke! das Haupt mir chwindelt,
unter den Füßn die Erde weicht.

NARDO
(zu Serpetta)
Dieses dein Schmeicheln ist hier vergebens.

SERPETTA
(zu Nardo)
Das soll dich Nerren wenig bekümmern.

RAMIRO
(zu Arminda)
Ach, deine Strenge kann ich nicht fassen!

ARMINDA
(zu Ramiro)
Dich werd' ich fliehen und ewig hassen!

SANDRINA, DER GRAF
Wie stürmt der Himmel!
welche schwarze Wolken!
Mich schaudert, ich zitt're!
erstarre! und bebe!
Jetzt schon ergreift mich ein toller Wahn!

SERPETTA, ARMINDA, RAMIRO, DER PODESTÀ, NARDO
Ach, der Verdruß macht mich fast rasend,
das Herz fängt schnell zu schlagen an!

SANDRINA
Hörst du nicht, mein Tirsis? Von ferne ertönen
die Zaubergesänge der holden Sirennen.
Sie Laden uns ein zu erquickender Ruh'.

DER GRAF
Hör', Kloris, die Leier des Orpheus sanft klingen,
die Felsen bewegt und die Bestien bezwinget!
der Schiffer im Weltmeer hält still und hört zu.

SANDRINA, DER GRAF
O sanftes Entzücken, o himmlisches Lust!

DER PODESTÀ
(zum Grafen)
Herr, mit Ihnen hab' ich zu sprechen!
Ich muß diese Unbill rächen!
Auf Pistolen lad' ich Sie!

RAMIRO
(zum Grafen)
Nur geschwind, mein Herr, wir gehen!
Warum bleiben Sie noch stehen?
Uns're Klingen messen wir!

ARMINDA
Wo wollt ihr hin? Ach bleibet doch!

SERPETTA, NARDO
Was soll denn dieses Lärmen noch?

RAMIRO, DER PODESTÀ
Kaum kann ich mich noch halten
vor Wut und Raserei.

SANDRINA
Ich bin Medusa! Kennt ihr mich?

DER GRAF
Ich bin Alcid, fort, packe dich!

SANDRINA, DER GRAF
Herzige Nymphen, kommet doch!
Fliehet die Tyrannei!

ARMINDA
Ich glaube gar, sie schwärmen.

DER PODESTÀ
Ja, ja, mich dünkt, sie schwärmen.

RAMIRO, NARDO
Sagt doch, was dies bedeute!

SANDRINA
Nur nicht so nah, ihr Leute!

SANDRINA, DER GRAF
Holla! kein solches Lärmen!
Wollt ihr uns sehen weinen?
Seid doch so grausam nicht!

SERPETTA, ARMINDA, DER PODESTÀ, NARDO
Fürwahr, sie sind von Sinnen!
Wahnsinnig, und ganz toll!

RAMIRO
(zu Arminda)
Zu so großen Unglück
hast du den Grund gelegt.

SANDRINA, DER GRAF
Ach,ist denn niemand,
o Gott, ist denn niemand,
den meine Pein bewegt?

SERPETTA, ARMINDA, RAMIRO, DER PODESTÀ, NARDO
Welch seltener Zufall!
Welch trauriges Schiksal!
Der Wahnsinn, die Tollheit
ergreifen sie ganz.

SANDRINA, DER GRAF
O lachende Freude,
man wird uns beneiden.
Die lustig Musik
uns locket zum Tanz.


DRITTER AKT
Ein Vorhof

SZENE 1
Nardo, dann der Graf und Sandrina

N.24 Arie und Duett

NARDO
Seht dort, wie Mond und Sonne
sich balgen und sich zanken!
Die Sterne alle wanken,
seht, wie sie Feuer speien.
Wär' ich nur ihrer los!
Nun geht es an ein Raufen.
Schon teilt man sich in Haufen.
Nun schlagen sie, nun schießen sie,
nun stechen sie, nun hauen sie,
seht doch die Narren an!
Schaut, welch' Getös sie machen,
ist dieses nicht zum Lachen?
Nun schleich ich mich davon.
(ab)

DER GRAF
Nur mutig, tapfer, Freund!

SANDRINA
Fort, schlagt eure Feinde!

DER GRAF
Die Sonne brennt sie zusammen.

SANDRINA
Der Mond ist schon in Flammen.

SANDRINA, DER GRAF
Die Sterne sind alle tot!
Ein Sturmwind sich erhebet,
die ganze Erde bebet!
Es blitzet, es donnert!
Wer hilft uns aus der Not?
(Beide gehen ab)

SZENE 2
Der Podestà, dann Arminda und Ramiro

N.25 Arie

DER PODESTÀ
Nun, mein Herr? Ich wollt' es sagen...
daß die Sache... Geduld, nur sachte!
Sie, mein Fräulein? Ich kann es nicht glauben!
O so hören Sie mich an!
Meine Nichte wollt' ich fragen,
wenn der Graf nun Umständ' machte?
Wollen Sie mir doch erlauben,
was zu tun in solchem Fall!
Ach, ich platze noch vor Wut!
Und nun nehm' ich meinen Hut.
Nehmen sie nur, wie sie wollen,
Sie die Nichte, Sie den Grafen!
Jedes nehm', was es ungequälet!
Solche Grobheit! pfui! die Schande!
Schickt sich die für Leut' von Stande?
Lassen Sie nur mich in Ruh!
(ab)

SZENE 3
Arminda und Ramiro
(Arminda ab)

SZENE 4
Ramiro allein

N.26 Arie

RAMIRO
Wenn ich auch von dir verlassen,
kann ich dich niemals hassen.
Undankbare Neigung,
die noch für dich hier spricht!

Doch soll an meinem Leiden
dein Auge sich nicht weiden.
Fern von dir sterbe ich!
(ab)

SZENE 5

Garten

Sandrina und der Graf

N.27 Rezitativ und Duett

SANDRINA
Wo bin ich wohl?

DER GRAF
Wo mag ich sein?

SANDRINA
Es ist mir, als hätt' ich hier geruhet.

DER GRAF
Mir schnenit, ich hab' geschlafen.

SANDRINA
Wie kam ich doch in diesen schönenm
angenehmen Garten?
Wie ist es möglich?

DER GRAF
Welch reizende Gegend!
Wer hat mich hierher gebracht,
in diesen schönen Hain?
Träum' ich oder wach' ich?

SANDRINA
Ich bin ganz betäubt.
Ist es ein Zauber?

(Sie erblicken einander)

DER GRAF
Dooch was erbluck' ich?

SANDRINA
Was seh' ich?

DER GRAF
O meine Liebste, mein Leben!

SANDRINA
Zurück!

DER GRAF
So streng?

SANDRINA
Was suchst du?

DER GRAF
Sag mir endlich,
bist denn du nicht Violante?

SANDRINA
Ja, ich bin Violante!
Doch suchst du deine Schöne,
deine reizende Braut,
ich bin dieselbe nicht!

DER GRAF
Ich beteure, beschwöre dich!

SANDRINA
O, es sei ferne, daß ich es wagte,
mit solcher würdigen Dame
um so ein treues Herz zu streiten.
In kurzer Zeit werd' ich
die Frau des Podestà.
Nun lebe wohl!
(will abgehen)

DER GRAF
Höre mich! Wo willst du hin?
Soll ich im süßen Augenblick,
in der seligen Stunde, da ich dich finde,
die schon wieder verlieren?
Nein, das geb' ich nicht zu!
Du sollst mich nicht verlassen!
Vergib meine Schuld, geh' nicht fort,
bleibe bei mir!
Du mich fliehen! O hartes Schiksal!
Du, der Abgott meiner Liebe!
Kennst du nicht die zarten Triebe?
Dieses Herz schlägt nur für dich!

SANDRINA
Ja, ich fliehe deine Blicke!
Du verdienst nicht meine Liebe,
denn dein Herz nährt fremde Triebe.
Ich muß ewig dich flieh'n.

DER GRAF
Also geh' ich!

SANDRINA
Und ich eben!

SANDRINA, DER GRAF
Doch was hemmet meine Schritte?
Warum wanket jeder Tritt?

DER GRAF
Die Demut zu beweisen,
laß mich das Glück genießen,
die schöne Hand zu küssen!

SANDRINA
Ach, geh'n Sie, Sie verschwenden
umsonst die Komplimente!
Geh'n Sie, nicht will ich weiter wissen!

DER GRAF
(Geduld!) Doch wer weiß,
ob wir uns wiederseh'n.

SANDRINA
Denken Sie nicht daran.
(Dieses kann noch geschehen.)

SANDRINA, DER GRAF
Nur herzhaft, nur entschlossen!
Nun fort, nur fort von hier!

(Beide gehen, scheinbar entschlossen, voneinander, bleiben aber zögernd
wieder stehen)

DER GRAF
Wie, du rufst mich?

SANDRINA
Nein, mein Herr,
Sie geh'n zurücke?

DER GRAF
Ich glaube nein!

SANDRINA
(Er wird ja schon nähergehen.)

DER GRAF
(Sie kann nicht mehr wiederstehen.)

SANDRINA, DER GRAF
(Kaum ich mich noch halten kann.)

(Sie nähern sich langsam einander)

DER GRAF
(Geh' ich näher?)

SANDRINA
(Ist es schicklich?)

DER GRAF
(Soll ich's wagen?)

SANDRINA
(Doch der Anstand...)

DER GRAF
(Geh' ich?)

SANDRINA
(Bleib' ich?)

SANDRINA, DER GRAF
(Was soll ich tun?)
(Sie umarmen sich)

Nie mehr will ich von dir scheiden!
Wer der Liebe Macht empfindet,
kann ihr nicht mehr wiedersteh'n.
Welch' Freude, welch' Entzücken,
deine Hand wird mich beglücken!
Alle Qualen sind verschwunden,
stets soll man mich fröhlich seh'n.
O nichtwahr, ihr holden Seelen,
wer der Liebe Macht empfunden,
kann ihr nicht mehr wiedersteh'n.

LETZTE SZENE
Nardo, der Graf und der Podestà, dazu Sandrina, Arminda, Serpetta,
Ramiro, Gärtner und Gärtnerin

N.28 Schlußchor

SANDRINA, SERPETTA, ARMINDA, RAMIRO, DER GRAF, DER PODESTÀ, NARDO, CHOR
Liebe, Treue hat gesiegt!
Laßt uns nun in Wonne leben!
Wir sind glücklich und zufrieden.
Laßt uns alle fröhlich sein!



Initially input by Camila Argolo Freitas Batista; HTML by Lyle Neff